Pflegekräfte und Servicekräfte

  • Magie die verbindet

Wenn Pflegekräfte auf Servicekräfte treffen, wer übertrifft dann wen mit Pflege und wer wen mit Service? Der Treffpunkt könnte nicht treffender sein, denn irgendetwas scheint uns alle magisch zu verbinden.

Selten findet man einen geballten Haufen Servicekräfte zu Besuch im Pflegeheim, eher schon andersrum, wenn Pflegekräfte sich mal pflegen lassen wollen im Servicehaus… so wie heute… in unserem Restaurant.

Gegen 18 Uhr flatterten bei uns 10 Pflegeengel rein. Eine bunt gemischte Gruppe. Eigentlich waren sie den Abend in der Obhut meiner Kollegin geplant und ich ahnte noch nicht, was für Knallkracher wir zu Gast hatten.

Sonderwünsche bei der Essensbestellung: Ich wurde von der neuen Kollegin zur Hilfe gerufen. Hach, wie lieben wir Extrawünsche. Hach, wie beherrschen wir Extrawünsche. Wo bliebe die Spannung, wenn alle brav das in der Speisekarte Vorgegebene akzeptieren. Genau das ist doch die Würze… die Herausforderung… das Salz in der Suppe… an Grenzen zu gehen, um die Nervenstärke aller Beteiligten nur mal so anzutesten… aber bei uns heißt es: Challenge accepted, oder auch: Lösung gefunden. Es erfordert halt Kompromissbereitschaft seitens des Gastronoms und seitens des Gastes. Das Zauberwort? Kommunikation. Und wenn die noch gespickt ist mit einem fröhlichen Sprüche-Schlagabtausch, na dann ist ein solcher mehr oder weniger schnell gefunden. Bei dieser tollen Truppe ging es fantastisch schnell und es wird lustig hin- und hergeplaudert. Nur ein Gast hatte noch eine Frage bezüglich der Größe des Schnitzels: Wie klein denn die kleine Variante unserer Schnitzelkreation wäre. Mein Mund war schneller, als mein Hirn und ich erwiderte: Es sei groß genug, es noch schneiden zu müssen.

Das fände sie wiederum schade, denn ein vorgeschnibbeltes Schnitzel wäre fantastisch. Auf meine Frage, wie klein gestückelt es denn gewünscht wäre, ob kurz vor der Pürierstufe noch ok wäre, eroberte ich wohl die Sprücheklopfherzen aller im Raum und bekam das Angebot, doch beruflich in die Pflege zu wechseln. Scheinbar trifft diese spaßige Schlagfertigkeit den Nerv ihres Pflegeteams. Wahrscheinlich eine Notwendigkeit, mit Humor dem alltäglichen Wahnsinn gegenüber zu treten. Welcome to our life. Geht uns ja genauso. Da ist sie… die Magie… die uns zu verbinden scheint.

Auch mein Herz hat diese Gruppe gewonnen. Unauffällig tausche ich meine liebe Kollegin aus, um diese Gruppe weiter zu versorgen… es „matcht“ einfach zwischen uns. Jaaa… Ich gebe zu. Als Servicekraft kann man sich durchaus einfangen lassen, wenn es zwischen Gast und Kellner harmoniert. Nicht ganz unvorteilhaft für beide Seiten. Wollen doch alle letztendlich nur einen kleinen Ausflug aus dem Alltag, entweder „aus“ der Arbeit oder „während“ der Arbeit.

Und wie schön, dass in kürzester Zeit eine kurzweilige Verbundenheit entsteht, die solche Momente wertvoll machen.

Pflegen oder servieren – am Ende haben wir uns gegenseitig so umsorgt, dass keiner mehr wusste, wer eigentlich Gast war und wer Gastgeber.

Schön, dass ihr da wart.