
Latte Macchiato. Eigentlich ein Inbegriff von Genuss, ein kleiner Luxusmoment, ein „Ach, wie schön, der Tag darf beginnen“.
Eigentlich.
Wäre da nicht meine Kaffeemaschine. Ein hochmodernes Gerät, angeblich vollautomatisch, angeblich „intuitiv“ – aber in Wahrheit ein launisches Wesen mit mehr Eigenarten als eine Diva, die auf Welt-Tournee ist.
Morgens, wenn ich noch leicht verschlafen in die Küche schluffe, die Augen halb zu, die Haare in einer wilden, undefinierten Anordnung, dann stehe ich vor ihr. Hoffnungsvoll.
Fast zärtlich drücke ich den Knopf… es rührt sich nichts. Ein müdes Blinken, ein leises Brummen, dann – nichts. Totenstille. Ich weiß, was das bedeutet. Ich weiß es! Und trotzdem versuche ich jedes Mal den Trick: Knopf drücken… Noch mal drücken… Lange gedrückt halten…. Kurz gedrückt halten. Die Maschine bleibt unbewegt. Irgendwie lacht sie mich stumm aus.
Denn diese Maschine… unfassbar… will… angeföhnt werden. Ja, richtig… Mit einem Föhn. Ehrlich… Keine Ahnung warum. Irgendwo im Inneren scheint eine Leitung zu frieren, eine Klappe klemmt, ein Sensor beschließt: „Ohne warme Luft geht hier gar nichts. „ Und so stehe ich da. Mit Föhn. In der Küche. Vor der Kaffeemaschine. Noch im Schlafoutfit. Und föhne. FÖHNE! Das Herzstück meiner Küche, mein Heiligtum, braucht morgens erst mal ein Styling.
Aaaaber… Es funktioniert. Nach ein paar Sekunden warmer Luft macht es klack, ein Rattern setzt ein, ein Röcheln, als würde das Gerät widerwillig erwachen. Sie stöhnt und ächzt wie eine alte Frau, die gezwungen wird, Treppen zu steigen. Und dann… dann beginnt sie zu arbeiten. Plötzlich, als wäre nichts gewesen, zaubert sie mir den perfekten Latte Macchiato ins Glas. Fein geschichtet, Milchschaum wie Wolken, Espresso dunkel und kraftvoll. Ein Bild aus dem Prospekt. Kein Hinweis mehr auf die vorherige Szene, keine Scham, kein schlechtes Gewissen.
Es hat etwas von einer Beziehung. Ein Geben und Nehmen. Sie will Fürsorge, sie will Aufmerksamkeit, sie will Wärme – wortwörtlich. Und ich? Ich bekomme am Ende, was ich brauche: Meinen heiß (geföhnten) Latte Macchiato… Warm, samtig, süß-bitter – und ich weiß: Wir beide sind innig verbunden in einem Ritual, das Fremde niemals verstehen würden. Der Föhn? Na, den lege ich einfach daneben… Morgen ist ja wieder ein neuer Tag…