
Morgendliches Zähneputzen. Wer kennt es nicht?! Man denkt ja immer: „Kleinigkeit, Routine, Zack-zack, fertig.“ Pustekuchen. Es ist jedes Mal ein kleiner Hindernisparcours. Fängt schon bei der Tube an. Entweder kommt nichts raus – trotz heldenhaftem Kneten, Quetschen, Schütteln – oder die Tube entscheidet sich, mir gleich eine halbe Portion für ein Nilpferdmaul zu servieren.
Na toll! Abstreifen? Auf den Rand? Nee, sieht eklig aus. Zurückdrücken? Funktioniert nie. Also drauf auf die Bürste und rein in den Mund. Alles. Ich bin ja kein Verschwender.
Die Quittung folgt prompt. Es schäumt. Und zwar sofort. So richtig. Da frage ich mich: Wieviel Volumen kann so ein Mund eigentlich fassen? Glaub mir – mehr als angenehm ist. Der Schaum expandiert, quillt über die Lippen – und da läuft’s schon. Natürlich bleibt er nicht brav im Mundraum, wo er hingehört, sondern nimmt den direkten Weg runter, außen am Mundwinkel, tropfend wie ein Sabberbächlein. Und wohin? Richtig. Genau auf den Pulli, den ich heute eigentlich tragen wollte. Nicht auf mein olles Schlafshirt – das wäre ja zu einfach. Nein, es muss natürlich das frische Oberteil sein.
Ich hänge also überm Waschbecken, Rücken gekrümmt, Knie irgendwo an der Schrankkante eingeklemmt – also bequem ist anders – und putze. Kreisen, hat mein Zahnarzt gesagt. Immer schön rundherum… Ja, klar: Kreisen. Und ich? Ich schrubbe. Eher so, als würde ich Rost von einer alten Pfanne kratzen. Das ist dann auch schon mehr Hochleistungssport als Pflege.
Gefühlt betreibe ich das Zahnbürstenkarussell mindestens 5 Minuten. Stolz auf mein Durchhaltevermögen spucke ich die schaumige Masse, die nicht schon ausgelaufen ist, in das Waschbecken. Erwähnte ich, dass es real mal gerade zwei Minuten dauerte? Scheinbar läuft die Zeit während der Zahnreinigungsprozedur langsamer. Warum auch immer. Egal. Raus damit. Sonst bestehe ich nur noch aus Schaum.
Gedacht, getan – und dann… Immer… immer wieder dieser eine Spritzer, der nicht da landet, wo er hin soll. Nie im Abfluss. Nein, schön daneben am Waschbeckenrand, als kleine Erinnerung daran, dass ich kein bisschen Kontrolle habe. Ich sehe ihn. Er sieht mich. Und beide wissen wir: Ich werde ihn ignorieren. Zumindest bis zum nächsten Händewaschen.
Aber dann der spannende Moment: Auspülen mit Wasser. Ich bevorzuge tatsächlich noch das Gurgeln. Also Wasser in den Mund, Kopf nach hinten. Nicht zu weit! Sonst läuft’s falsch, und dann röchelt man röhrend durchs Bad, und die Nachbarn klopfen vielleicht an und fragen, ob man Hilfe braucht. Also schön kontrolliert jetzt… trotzdem: dieser Ton… dieses Gurgelgeräusch. Klingt wie eine sterbende Kaffeemaschine. Ein bisschen auch wie ein Wal auf Tauchstation. Absolut würdelos. Und ich hör’s ja selbst, während ich dastehe und denke: „Das will doch kein Mensch ernsthaft anhören müssen.“
Aaaber… geschafft. Die Zähne blinken und blitzen herausgeputzt wie zum Wiener Opernball. Mission erfolgreich erfüllt. Ein frischer Atem wie nach einer ganzen Packung Menthol-Kaugummis… Den verräterischen Zahnpastaspritzer ignorierend lächle ich mich kontrollierend im Spiegel an. Perfekt… bis auf meine Frisur… oje… nächste Baustelle.
Ich sehe aus, als hätte ich in der Nacht im Windkanal geschlafen. Nun, immerhin blitzen die Zähne… Ein kleiner Sieg des morgendlichen Alltags. Und bevor ich mich ins nächste Abenteuer: „erkennbare Frisur gestalten“ stürze… brauche ich erst mal einen Kaffee, jetzt! … Ohne den macht der Rest sowieso keinen Sinn. Ist ja nur ein klein wenig aufgeschoben. Zumindest bei mir…